Circular Design: Rethinking Products

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How can rethinking product design drive innovation, circularity and reduce costs?

In this episode, Nicola Stattmann, Co-founder and CEO of OMC°C, explains why circular product development, when integrated from the start, leads to less investment needed. 

The conversation looks at how rethinking material and component choices enable innovation and simplify manufacturing, using the Nike Flyknit’s reduction from 50 components to 5 as an example.

What you’ll hear in this episode:

  • Why less materials, components, and process steps translates to reduced costs
  • The role of curiosity and enthusiasm in rethinking how products are made
  • Why designers need to make their processes transparent to gain alignment across departments

The episode also explores how Stattmann applied these principles at OMC°C, building an interdisciplinary team of top experts to develop a modular urban greening system. 

This episode was recorded in German. English subtitles are available on YouTube.

This is the second episode in the series Implementing Circular Design Principles, produced in collaboration with the German Design Council.

The series explores how design decisions shape circular outcomes at the material, product, and system level, following the principles of Rethink, Reduce, Reuse, and Recycle.

People

Nicola Stattmann, Co-founder and CEO of OMC°C at OMC°C, Büro Nicola Stattmann
https://www.linkedin.com/in/nicola-stattmann-a5b612244/

Patrick Hypscher, Circular Business Strategist, PaaS Expert
https://www.linkedin.com/in/hypscher/

Chapters

02:25 Introduction to Nicola’s Career
03:05 Personal Insights on Circular Products
05:04 Exploring the Concept of Rethink with Nike Flyknit
09:00 The Importance of Circularity in Product Development
11:37 Challenges and Strategies in Product Design
17:59 OMC-C: Revolutionizing Urban Greening
22:51 Navigating Bureaucratic Hurdles
32:19 Final Thoughts on Circular Design and Impact

About

Büro Nicola Stattmann is a Frankfurt-based office founded by product designer Nicola Stattmann that works at the intersection of product design, materials research, and technology.

OMC°C (Office for Micro Climate Cultivation) was co-founded by Nicola Stattmann. The company develops modular greening systems for building façades and urban spaces to counter heat islands and improve biodiversity.

Further Links

Find more information on: Circular Design Summit https://www.german-design-council.de/en/circular-design-summit

Nicole Stattman: https://nicolastattmann.com/
Nike Flynit: https://www.nike.com/flyknit
VERD: https://omc-c.com/

Transcript

[00:02:25] Introduction to Nicola’s Career

Nicola Stattmann: Herzlich willkommen. Ich freue mich, da zu sein. Grüß dich Patrick.

[00:03:05] Personal Insights on Circular Products

Patrick Hypscher: Nicola, wir starten immer mit einer persönlichen Frage ins Thema. Was ist denn für dich eines der bevorzugten zirkulären Produkte, die du im Alltag nutzt?

Nicola Stattmann: Das ist eine sehr schwere Frage, weil ich wirklich in meinem privaten Leben so ein bisschen Minimalistin bin, muss ich sagen. Wir haben Küchengeräte aus Holz und aus Aluminium und aus Stahl Mono-Material, schon aus dem Grund Minimalismus, also bei uns sind wenig Sachen geklebt oder zusammengesetzt.

Ich habe das so tief drin in mir, dass ich glaube ich, relativ viele Dinge ausschließlich nach diesen Kriterien aussuche. Lieblingsprodukt weiß ich nicht. Ich glaube, das sind meine schönen Kochlöffel, die ich dann notfalls auch in den Ofen stecken kann oder zu Platten recyceln kann. Aber nichts Spezielles, also eher Minimalismus, Materialminimalismus und Monomaterialgegenstände

Patrick Hypscher: Das wirkt so, als ob du schon gewissen Prinzipien folgst.

Das ist eigentlich eine gute Überleitung und Erinnerung nochmal an die Struktur der Gesprächsreihe mit dem German Design Council, der ja, oder das ja gemeinsam mit dem Wuppertal-Institut halt auch gesagt hat, für Projekte die wir auszeichnen legen wir vier Projekte Zirkuläre Design-Prinzipien zugrunde also einmal Rethink, dann Reduce, Reuse und Recycle und das ist praktisch ja Prinzipien und Empfehlungen die Produktdesignerinnen und Designern im Alltag helfen sollen, zirkuläre Produkte zu entwickeln und Und insofern finde ich es eigentlich ganz gut, dass du quasi für dich in deinem privaten Bereich ja auch prinzipienorientiert vorgehst Das passt ganz gut.

Wir haben über einige Beispiele schon im Vorfeld geredet und vieles kommt immer wieder auch auf das Thema Rethink zurück.

Was ist für dich eines der Produktbeispiele da draußen in der Welt, die für dich prototypisch im Bereich Rethink sind?

[00:05:04] Exploring the Concept of Rethink with Nike Flyknit

Nicola Stattmann: Das ist schon ein etwas älteres Produkt, aber ich finde es nach wie vor, auch wenn ich mit Studierenden arbeite, ein extrem anschauliches Beispiel, muss ich sagen.

Und das ist der Flyknit von Nike. Den kennen wahrscheinlich die meisten Zuhörer, aber ich erkläre Ihnen nochmal kurz, warum und wieso. Normalerweise wird ein Standard-Turmschuh, sag ich mal, der so ein bisschen aufwendiger ist, aus 50 einzelnen Bauteilen hergestellt. Da wird gestanzt und geschnitten und geklebt und genäht und geformt und so weiter.

Und wenn man sich das überlegt, 20 Bauteile für eine Schuhgröße. Und dann habe ich aber auch die Schuhgrößen von, ich sag jetzt mal 37 bis 46 oder irgendwie sowas. Das sind enorm viele Werkzeuge das ist sehr viel verschnitzt, weil dort Rollenware verarbeitet wird. Das ist schon enorm. Das macht man sich überhaupt nicht bewusst, wenn man so einen Turnschuh anhat.

Und Nike hatte, ich glaube, das ist jetzt schon 15 Jahre her, da nagel mich nicht fest auf dieses Datum, hatten die den Auftrag in der Entwicklungsabteilung einen Triathlon-Schuh zu entwickeln. Und die haben dann eine sehr detaillierte Nutzungsanalyse gemacht. Was braucht dieser Triathlon-Schuh? Der muss leicht sein, der muss schnell an- und auszuziehen sein, wenn man eben die Sportarten wechselt Der muss schnell trocknen, der muss keine spezielle Laufsohle haben, sondern es geht einfach darum, schnell, leicht, bequem schnell trocknen und so weiter.

Und dann haben die recherchiert und überlegt, welche Materialeigenschaften braucht es da, wie bekommen wir den ultimativ leichten, schnell trocknenden Schuh hin. Und sind dann auf das Thema Stricken gekommen, dreidimensionales Stricken, was bis dato eigentlich nur für Autositze und Spezialsachen genutzt wurde.

Und die haben dann gesagt, Mensch, wenn wir das Stricken aus einem Bauteil ganz leicht verkleben, dann haben wir diese ganzen Materialschichten nicht und dieses Thema Trocknen Atmungsfähigkeit und so weiter müsste doch dann ideal sein. Das Ergebnis ist ein Schuh der Flyknit und das sind im Grunde genommen jetzt auch heute alle gestrickten Schuhe, Der besteht aus fünf Teilen Das ist ein Schnürsenkel, das ist eine Einlegesohle, eine normale Sohle und eben dieses gestrickte Oberteil.

Das war’s. Und das ist eine Reduktion von 50 auf 5 Und dazu muss man sagen, diese gestrickten Teile, Oberteile, die sind auf Strickmaschinen herstellbar, das ist nur Programm, da kann ich praktisch jedes Teil endmaßfertig stricken und auch die nächste Kollektion machen. Ich weiß nicht, wie viele Werkzeugen auch und Verschnitt auf ein maßgebliches Bauteil bekommen.

Und dieser Schuh ist einfach so schön, so schnell anders zu machen, so innovativ und auch so bequem muss man sagen durch dieses Stricken weil sich das super dem Fuß anpasst dass diese Technologie gestrickte Schuhe zu machen… Eigentlich inzwischen um die ganze Welt gegangen ist und von Kinderschuhen bis hin zu Diabetikerschuhen, Senioren alle Sportarten genutzt wird.

Und das war, oder es ist ein Rethink von einem Schuh Der einen so großen Impact hat, das ist fantastisch. Und das ist auch das, was ich den Studis sage oder das, was wir im Büro hier machen, wirklich immer wieder zurückgehen zu dem, was brauche ich wie wird es benutzt wie könnte man das alternativ machen, wie kann ich reduzieren, wie kann ich nicht nur Material reduzieren, sondern auch Bauteile Prozessschritte, Abfall Werkzeug und alles, was dahinter hängt.

Das ist so wichtig für all das, was wir jetzt und in Zukunft entwickeln, maßgeblich

[00:09:00] The Importance of Circularity in Product Development

Patrick Hypscher: Also, lass mich nochmal zusammenfassen, damit ich es auch richtig verstehe. Es geht im Wesentlichen darum, dass ich die Materialvielfalt, also die Komponentenvielfalt die Materialvielfalt reduziere und dann auch insbesondere auf der wirtschaftlichen Seite die Produktion wesentlich einfacher gestalten kann, weil ich deutlich weniger Maschinen brauche.

Nicola Stattmann: Mhm. Und dann kommt natürlich… Auch noch dazu, also der Energieaufwand Wo kommen die Materialien her? Kann ich möglichst regional fertigen? Es ist im Grunde genommen, ehrlich gesagt, je weniger, umso besser. Also je weniger von allem, was sowohl an dem Produkt nachher selber ist, als auch in der Logistik im Transport, in der Energie, in den Chemikalien all das, je weniger, je besser.

Patrick Hypscher: Mhm. Und hast du zufällig Einblicke darin welche Rolle Zirkularität am Anfang des Prozesses stand? Weil so wie du es beschrieben hast, klang für mich sehr rein aus den Performance-Anforderungen der Zirkularität Der Kunden und Nutzerinnen dieses Konzept entwickelt haben und gar nicht primär ein zirkuläres Ziel verfolgt hatten?

Nicola Stattmann: Mhm. Ich glaube, das war damals wirklich so, dass Zirkularität nicht die große Rolle gespielt hat. Das war wirklich Nutzung und Performance, ja, Sportperformance. Aber heute spielt das natürlich eine große Rolle. Wirklich, die Firmen haben ja ihre Commitments im Bereich Umwelt, die DesignerInnen sind entsprechend ausgebildet und in dem Moment, wo es eben nicht mehr um Kleinserie oder Autorendesign und so weiter geht, sondern um Großserienprodukte, spielt das eine enorme Rolle und muss es auch spielen.

Und das wird oftmals irgendwie so als Nicht mehr so, aber es wurde in den letzten Jahren oft als zusätzliche Belastung in der Produktentwicklung gesehen, was aber absoluter Quatsch ist. Also wenn man das von vornherein mitdenkt und mit auf dem Radar hat, dann sind es im Grunde genommen Kostenersparnisse.

Weil ich habe ja gerade gesagt, je weniger, je besser. Und je weniger bedeutet auch weniger Invest. Und wenn man das den Partnern in der Produktentwicklung, also den ganzen Produktionsentwicklern, IngenieurInnen und so weiter klar macht, und das ist wirklich eine Aufgabe auch von uns Designern, dann ist es nur Vorteil für alle Seiten.

[00:11:37] Challenges and Strategies in Product Design

Patrick Hypscher: Und du hast vorhin gesagt, es beginnt natürlich mit auch, also mit der Recherche und dann dem WeThink. Gleichzeitig hört sich das so einfach an, WeThink und neu darüber nachdenken in einer Welt wo jeder von uns natürlich Erfahrungen hat, Framings hat, die uns dann relativ leicht zu etablierten Lösungen springen lassen.

Ja Gibt es Kniffe oder Instrumente, wie dieses Rethink gelingen kann?

Nicola Stattmann: Das Rethink ist Begeisterung, Überzeugung und Neugier. Ich glaube, es gibt keine Kniffe dafür, sondern es gibt einfach nur Neugier Je größer mein Know-how ist als Produktentwicklerin im Bereich Materialienfertigungstechnologien über den Tellerrand hinaus, wie werden Dinge assembled, wie können Dinge sein, Wenn ich das spüre, diese Begeisterung da drin, dann habe ich ein enormes Wissen und das muss ich anwenden.

Und dann ist es wirklich einfach hin und her denken und mit einer großen Faszination nach der besten Lösung suchen, nach wirklich der besten Lösung Und das ist aber letzten Endes auch gleichzeitig ein Versprechen für Innovation. Also das, was Nike damals gemacht hat, war ja eine enorme Innovation, das hat es vorher nicht gegeben.

Die ersten Schuhe die dann rauskamen, die sind durch die Decke geschossen in Sammlerpreisen. Und das gehört eben dazu, also wenn man Designgeschichte schreiben will mit einem guten Produkt, dann sollte man so denken und so arbeiten. Es ist eben auch Begeisterung und sowas entsteht auch vor allen Dingen dann auch interdisziplinär, dass man Forscherinnen dazu holt, Spezialistinnen in speziellen Bereichen mit dem Engineering zusammenarbeitet Bis zum Umfallen sehr kritisch auf sich selber gegenüber ist.

Ist es wirklich das Beste? Ist es wirklich relevant, was ich hier mache? Kann ich nicht nochmal einen Schritt weiter gehen? Was würde das bedeuten? Auch immer dieses Abwägen. Und dann irgendwann ist man auf der richtigen Spur und das sind auch Glücksgefühle, da ergeben sich auch neue Gestaltungsmöglichkeiten.

Ich meine, crazy, wenn man plötzlich nicht mehr aus Rollenware was ausstanzen muss, sondern Maschen stricken kann, zweilagig dreilagig vierlagig. Wunderbar. Also

ich empfinde ja Produktentwicklung als den spannendsten Arbeitsprozess Denkprozess den ich mir vorstellen kann.

Patrick Hypscher: Mhm.

Nicola Stattmann: Toll.

Patrick Hypscher: Das ist ein wundervoller Pitch für den Berufsstand.

Und gleichzeitig ist es ja auch so, dass die meisten Designerinnen und Designer in bestehende Unternehmen eingebunden Kunden sind. Du hast ein bestehendes Geschäftsmodell eine Markenpositionierung, du hast Kundensegmente, die du bedienen möchtest oder meistens die andere Kollegen von dir bedienen möchten und bist dann letztlich auch in einem Korsett von Erwartungen.

Mit dem musst du umgehen. Wie schafft man das dann, das, was du gerade beschreibst, was ja durchaus über das Etablierte gehen kann, wie schaffe ich das als Designer, damit umzugehen oder das dann auch zu überwinden um neue Produkte möglich zu machen?

Nicola Stattmann: Ich glaube, also da sprechen jetzt 25 Jahre Berufserfahrung aus mir.

Ja. Wir denken oftmals anders als die Kolleginnen, sage ich mal. Bei uns knistert im Hirn und wir sehen irgendwelche Sachen, wir fügen was zusammen und bekommen eine Faszination für was und skizzieren das dann und gehen an den Rechner und zeichnen. Wir denken nicht linear und nicht nach Argumenten sondern die Argumenten sind die Erfahrungen bei uns im Kopf mit denen wir arbeiten, oftmals.

Das ist für die anderen nicht nachvollziehbar. Und damit mache ich es natürlich total schwierig, wenn ich einfach ganz viele andere Disziplinen im Unternehmen habe, Die auch ihren Job gut machen müssen und Argumente haben müssen für das, was sie entscheiden und tun, dann ist so jemand, der irgendwie nicht nachvollziehbar ist und die Gedanken, die er hat nicht nachvollziehbar ist, natürlich eine schwierige Kiste auf der anderen Seite des Tisches.

Ich muss also nachvollziehbar sein. Und wir arbeiten hier im Büro und das sage ich auch allen Studierenden irgendwie, werdet nachvollziehbar in euren Prozessen, analysiert, schreibt es auf, macht riesen Mindmaps, wie sind die Gedankengänge, was ist die Nutzung, Befragung und wenn man in allen Details nachvollziehbar ist, bis hin zum Material, zur Technologie, zu den Farben whatever, dann bin ich drin.

Und die Mühe muss man sich machen, sonst scheitert man nämlich. Und das ist aber auch gut, wenn man wirklich die Argumente hat, die in so einem Entwicklungsprozess drin sind. Also ich nenne das immer Produktentwicklung von A bis Z. Von der Nutzungsanalyse, Funktionsanalyse Und so weiter, bis hin dann zum letzten Schieber, der im Drei-Komponenten-Werkzeug drin ist, dann verstehen mich alle.

Dann versteht mich das Marketing, dann versteht mich die Produktionsleitung, dann versteht mich der Vertrieb, alle verstehen mich dann, auch der Einkauf. Und das kann ich nur jedem anraten, nachvollziehbar zu sein und die Denkweisen und die Argumente der anderen Disziplinen im Unternehmen ernst zu nehmen.

Sonst scheitert es. Und das ist einfach auch dann zu billig muss ich ehrlich gesagt sein. Das sind viele Designerinnen, die sagen, ja, die verstehen mich nicht. Das ist wieder gescheitert und in der Schublade gelandet Oder die haben das nicht gemacht, weil die verstehen es nicht. Ja, dann ist es deine eigene Schuld, weil du dich nicht verständlich genug ausgedrückt hast. Und

wir sind eben nicht, Entschuldigung, man muss sich eben als, Ich sage auch immer nicht Produktdesign, wenn ich mit solchen Unternehmen zusammenarbeite sondern Produktentwicklung. Da ist man schon einen Schritt weiter beim Engineering und so sollte man auch seine Arbeitsweise auffassen zumindest wenn man in einem Unternehmen ist und wo es um mehr als ein bis zehn Stück geht, sage ich mal.

[00:17:59] OMC-C: Revolutionizing Urban Greening

Patrick Hypscher: Du hast ja in den letzten Jahren viel Erfahrung rund um OMC-C gesammelt. Kannst du im ersten Schritt erklären, was ihr dort macht und dann vielleicht auch ein Beispiel geben, wo Du die Nachvollziehbarkeit oder ihr dann als Team die Nachvollziehbarkeit herstellt gegenüber Städten Bauherren.

Nicola Stattmann: Jetzt rede ich noch länger.

Patrick Hypscher: Ich bin gespannt. Genau, lass uns starten mit, was macht OMC-C, was ist das?

Nicola Stattmann: Also OMC-C ist das. Office for Climate Cultivation und wir sind eine Ausgründung aus meinem Büro für Produktentwicklung, weil wir uns vor fünf Jahren die Frage gestellt haben, Wieso eigentlich in diesem Bereich Stadtbegrünung nichts passiert.

Es war heiß in Frankfurt, wir sind im Büro dahin geschmolzen. Wieder waren alle Nachrichten und Zeitschriften und Tageszeitungen voller, wir brauchen mehr Grün in der Stadt und nichts passiert. Dann haben wir angefangen zu recherchieren, weil eben dieses Thema Ökologie, Nachhaltigkeit und so weiter eine große Rolle bei uns spielt.

Und sind auf eine Studie gestoßen die besagt, jede Stadt in Europa braucht im Schnitt zehnmal so viel Grün wie bisher. Und dann habe ich so gesagt, zehnmal so viel Grün wie soll das denn gehen? Das ist Großserie, das ist nicht Architektur und Stadtplanung, sondern Großserie Da sind wir gefragt, ja. Und dann haben wir angefangen zu recherchieren und zu gucken, haben ganz viel Nutzungs und Funktionsanalyse gemacht, Bestandsanalyse, mit allen Playern gesprochen, in der Stadtverwaltung, Grünflächenämter, Biologen, Botaniker und so weiter.

Wieso ist es so schwierig mit der Stadtbegrünung? Warum haben es Stadtbäume so schwer? Und aus all diesen Analysen und Gesprächen mit Top-Expertinnen, auch das als Tipp, immer die besten Fragen, ehrlich gesagt. Kam dann raus, ja, wir haben keinen Wurzelraum. Also letzten Endes quintessens es gibt, die Städte sind versiegelt, da ist Teer oder Stein und da sind Rohre und das aufzumachen ist ein riesen Kostenpunkt, aber eben Baum, und das ist die ultimative Begrünung letzten Endes, braucht genau so viel Wurzelraum, wie die Krone groß werden soll.

Und wenn man sich einen großen Baum vorstellt, den Wurzelraum kriegt man einfach nicht. Und dann haben wir gesagt, okay, wenn wir den Wurzelraum nicht haben, was machen wir dann? Und dann haben wir angefangen ein System zu entwickeln, das mit einjährigen Kletterpflanzen die bis zu zehn Meter innerhalb von fünf Monaten wachsen, riesige Schattengrünflächen zu entwickeln.

Und da fing die Reise an, letzten Endes Also wir realisieren eine saisonale Begrünung. Mit einjährigen Kletterpflanzen, die in riesige Netze reinwachsen, aus Naturfasern, die wir auch entwickelt haben. Und das ist aber im Grunde genommen also Nutzungsanalyse was ich vorher gesagt habe, Rethink statt Begrünung.

Und das ist so innovativ und neu und anders geworden, dass wir unglaublich viel erzeugen

Innovationen entwickeln mussten, sag ich mal. Das gab es noch nicht, das hat noch nie jemand gebaut. Das geht dann von den Netzen bis hin zur, dafür gibt es in der deutschen Bauordnung keine Annahmen für die Windlasten. Das ist ein Riesenproblem, wenn das nicht in der deutschen Bauordnung steht, wie kriegt man das dann auf die Und wir haben da ein Netzwerk aufgebaut mit den besten Botanikern, Statikern, Architektinnen, Textilforschern und so weiter und haben jetzt ein System entwickelt, was auch patentiert ist und nach fünf Jahren auf die Straße geht.

Und das ist das Projekt meines Lebens, ehrlich gesagt. Also werde ich ganz sentimental. Aber das macht einfach so unfassbar viel Freude weil wir, und jetzt komme ich nochmal zurück, Einfach so versucht haben, so klug und radikal und minimal und konsequent und relevant zu entwickeln, dass eben auch alle mitmachen.

Also der Deutsche Wetterdienst ist dabei. Ich kann jetzt ewig aufzählen welche super Experten wir im Team haben. Alle sind gekommen und machen mit, teilweise ehrenamtlich Weil es Sinn macht, was wir da tun und weil es logisch und nachvollziehbar ist.

Patrick Hypscher: Also ich spüre die Begeisterung und die Neugier, die du vorhin für Rethink als notwendig beschrieben hast.

Ich spüre sie in jedem Satz den du sagst Und gleichzeitig hast du gesagt, es ist dann eine Challenge, das auf die Straße zu bringen. Lass uns dann nochmal zu diesem Thema Nachvollziehbarkeit kommen. Wie stellt ihr dort die Nachvollziehbarkeit her, für die manchmal doch eher…

Und konservativeren Akteure, die natürlich auch bedacht sind auf gewisse Sicherheit, gewisse Normen.

[00:22:51] Navigating Bureaucratic Hurdles

Nicola Stattmann: Die Nachvollziehbarkeit haben wir eigentlich erreicht, würde ich sagen, in allen Bereichen auch weil wir zum Beispiel die RWTH Aachen mit eingebunden haben in die Windkanalmessung und Berechnung. Das ist die… Beste Universität in Deutschland im Bereich Windkräfte und wenn die was messen dann geht das in die deutsche Bauordnung.

Also da muss man dann eben ansetzen. Auf der fachlichen Seite haben wir alle bei uns. Das ist gar kein Problem und da ist es auch anerkannt dass das, was wir da entwickelt haben, gemeinschaftlich interdisziplinär super ist. Die große Challenge jetzt ist, Vergabeverfahren, Kommunen, das ist was Neues, das kennt man ja noch nicht, da gibt es noch nicht so viele Referenzprojekte Wie können wir einen Auftrag vergeben, wenn wir keine drei vergleichbaren Angebote bekommen, weil das geht halt nicht, wenn nur eine Firma so was Neues macht.

Das ist die große Challenge und das hätte ich nie für möglich gehalten, dass das irgendwann fast so eine Hauptaufgabe von mir wird, dort mitzuarbeiten, Leistungsverzeichnisse Ausschreibungstexte Prozesse in Kommunen begleiten, wie die Letzten Endes rechtliche Hürden umgehen können, um Grün in die Stadt zu kriegen.

Denn dass das notwendig ist, das wissen alle und auch die Budgets und Fördertöpfe und so weiter, die sind alle da. Das sind jetzt wirklich juristische Themen im Vergaberecht. Das ist eine große Schwierigkeit.

Patrick Hypscher: Und gleichzeitig ist das natürlich wieder eine Erinnerung daran, dass Produkte im Ecosystem oder System existieren. Wir werden dann in der nächsten Episode nochmal auf das Thema Geschäftsmodell und Ökosystem eingehen wo es dann genau darum geht. Lass uns nochmal zurückkommen auch zu den Circle Design Principles und eurem Prozess bei OMC-C Hattet ihr dann für euch gewisse Anforderungen und Kriterien an einem gewissen Punkt in eurer Produktentwicklung, wo ihr sagt, okay, das sind die Anforderungen, denen das Produkt, das System genügen muss?

Nicola Stattmann: Ja, auf jeden Fall. Also es muss natürlich maximal gut funktionieren. Wir haben auch Forschungsstationen dann dazu. Also welche Bedingungen brauchen die Pflanzen, um bestens zu wachsen? Wie können wir die Strukturen bauen, dass wir Praktisch auf strukturellen Prinzipien die Statik ableiten und so einfach wie möglich in den Stadtraum kommen.

Wie können wir Querschnitte verringern? Wir arbeiten überwiegend mit Holz und versuchen das irgendwie damit zu arbeiten, unbehandelt natürlich. Dann gibt es Stahlteile also… Das, was ich am Anfang mit meinen Küchengeräten gesagt habe, das habe ich drinnen in der Konstruktion und in der Arbeit. Dadurch dass wir saisonal arbeiten, konnten wir nicht mit Stahlnetzen oder Kunststoffnetzen arbeiten, weil natürlich die Pflanzen am Ende der Saison in die Kompostierung gehen oder in die biologische Verwertung.

Das heißt, dafür mussten wir Rangnetze entwickeln aus Naturfasern Die bis dato so noch nie gefertigt wurden, immer natürlich so wenig wie möglich, so nachhaltig wie es eben geht und das waren spannende Prozesse ja, also Flaxfasern auf hochsensiblen Raschelmaschinen zu Netzen zu verarbeiten, das hat noch nie vorher jemand gemacht und auch da hatten wir einfach tolle Entwicklungspartner.

Da sind wir durch und durch drin. Wir sind komplett modular. Es wird nichts geklebt alles ist geschraubt Man kann die Dinge vor Ort aufbauen, man kann sie aber wieder abbauen und woanders hinstellen. Der größte Dorn im Auge ist mir tatsächlich diese deutsche Bauordnung mit den Windlasten weil wir unsere Struktur sag ich mal, oder unsere Strukturen in die wir die Netze einspannen, wo dann die Pflanzen reinwachsen, die müssen dem 50-jährigen Maximalsturm standhalten.

Also im 50-jährigen Maximalsturm dürfen die sich keinen 5 Zentimeter bewegen Das ist Irrsinn. Im 50-jährigen Maximalsturm fliegen die Dachpfannen vom Dach und kippen die Bäume da ist niemand mehr draußen. Aber so ist es. Und dem ist einfach auch die Solidität dieser ganzen Konstruktionen geschuldet, obwohl das eigentlich viel weniger sein könnte, viel weniger Material brauchen könnte.

Und deswegen haben wir jetzt einen Forschungsantrag gestellt, um nochmal zusammen mit der RWTH Aachen neue Standardwerte für diese speziellen Dachpfannen mit Rangnetzen bespannten Konstruktionen zu finden. Und wir haben die Annahme mit den Wissenschaftlerinnen, dass das 40 Prozent sein können. Und wenn wir den Antrag durchkriegen und das nachweisen können, dann sind wir da einen Riesenschritt weitergegangen.

Und auch das gehört dazu, dass man Dinge nicht hinnimmt als Designerin, Gegebenheiten die man… Schwachsinnig findet, ehrlich gesagt, überflüssig oder auch zu überdimensioniert, zu sicher, zu viel, ja, wir sind hier einfach in so einem Sicherheitspuffer rundherum dass man eben das auch angeht und sagt, Leute, Da stimmt was nicht.

Wir müssen nachhaltiger werden, also müssen wir Normen ändern, also müssen wir Richtlinien und Denkweisen ändern, um da wieder hinzukommen. Das ist ja auch ein Riesenthema in der Architektur gerade, ja, wieder ein bisschen abschotten und sagen, wir können die Wohnung nicht mehr bezahlen, wenn wir diese stattfinden

Patrick Hypscher: Jetzt habt ihr ein eigenes Unternehmen für dieses Produkt gegründet sicherlich auch sagen, das ist dann der naheliegende Weg und gleichzeitig kommen wieder zurück, arbeiten ja viele Designerinnen auch in existierenden Strukturen, in existierenden Unternehmen.

Oder wenn man das, was du beschreibst in einem bestehenden Unternehmen hätte machen müssen, wäre das auch so möglich gewesen?

Nicola Stattmann: Nein. Das wäre möglich gewesen, also ich habe ja vorhin gesagt, wir haben uns wirklich die allertollsten interdisziplinären Partnerinnen zusammengesucht, die es gibt.

Mhm. Wir haben den besten Botaniker, den jeder kennt in Deutschland, die besten Bauingenieure, die weltweit bekannt sind, usw.

usw. im Team. Das ist eine Riesenhilfe weil wir ganz viele Nicht realisiert hätten, wenn nicht praktisch ich sage jetzt mal, das Bauamt hier in Frankfurt, die Bauaufsicht gesagt hätte, oh, das sind die Ingenieure, ja klar, Bollinger und Grohmann, dann dürfte das bauen, denen trauen wir. Oder wenn nicht die grünen Pflanzenexperten in den Städten sagen würden, oh, der Dieter Geismayern nee, dann muss das ja funktionieren.

Wenn ich ein Unternehmen habe, wo ich so viele Super-Expertinnen habe, Auf höchstem Niveau kann das gelingen und dann müssen die alle an einem Strang ziehen. Aber ich höre das immer wieder, dass das, was wir in viereinhalb Jahren auf die Beine gestellt haben im Unternehmen, und das wäre auch meine Einschätzung, mindestens anderthalb Mal so lang gedauert hätte.

Patrick Hypscher: Wobei wenn ich… Das versuche zu übertragen kann es ja durchaus sein, dass eine vielversprechende Strategie wäre, dass ich mir im Unternehmen die jeweiligen sagen wir mal Koryphäen Entscheidungsträger, Experten reinhole, die… Dann praktisch involviert sind, ihr grünes Licht geben und dafür sorgen, dass dann andere, die nicht so tief drin sind, sagen, okay, das passt.

Also das ist ja sozusagen eine relativ smarte Taktik die dafür sorgt, dass du vorankommst weil andere halt dann den Personen vertrauen, die involviert sind.

Nicola Stattmann: Ja, auch das. Und natürlich… Also, wenn man super Bedingungen hat, geht das. Und wenn man sich betrachtet, dann geht das natürlich. Und dann ist es einfach, also ich glaube, alle, die wir mit im Netzwerk haben, würden sagen, das ist ein wahnsinnig tolles Projekt.

Und die lieben das auch so zu arbeiten und sich gegenseitig zu begeistern Also man muss natürlich auch Open-minded sein und als Bauingenieur irgendwie sich auch von einer Designstudentin was sagen lassen können und so. In einem Unternehmen wäre wahrscheinlich das Thema

nicht so groß gewesen, was Bei uns natürlich ein Riesenanteil ist.

Also wir mussten Investoren finden. Das ist ein großer Zeitaufwand irgendwie das zu machen. Und wir müssen jetzt eben auch schauen, dass wir auf die Straße kommen. Wir haben keinen etablierten Vertrieb. Den hoffen wir jetzt zu gewinnen an unserer Seite zu gewinnen. Das hat natürlich ein großes Unternehmen, hat das alles schon, diese Vertriebsstrukturen

Es ist so, wie es ist. Wir haben eine Riesenfreude daran gehabt, aber es ist auch viereinhalb Jahre krasses Arbeiten ehrlich gesagt.

Und sich auch ganz viel Trauen und Mut haben und Durchhaltevermögen haben und einen hohen Energielevel haben.

Patrick Hypscher: Ja, das ist praktisch schon die Antwort auf meine letzte Frage, Nicola.

Du hast ja 25 Jahre Erfahrung, viele Unternehmen gesehen, viele Produkte gesehen. Welche Einstellung braucht es, um zirkuläre Produkte zu entwerfen?

[00:32:19] Final Thoughts on Circular Design and Impact

Nicola Stattmann: Dinge richtig und gut machen zu wollen und das ganzheitlich zu denken und wir sind einfach nicht der Aufmerksamkeit geschuldet Nicht nur dem wirtschaftlichen Erfolg, nicht nur der Funktion, sondern wir sind auch einem Planeten verpflichtet und ich bin inzwischen so weit, also wir hatten Human Centered, wir hatten Brand Centered, wir hatten Eco Centered und so weiter Ich bin dabei, dass wir einfach Planet-Centered Design denken und tun müssen und es wird immer wieder die Frage gestellt, kann Design was verändern und ich sage da klipp und klar, ja, das kann es.

Wenn wir es wollen, ja, wenn wir die relevanten Fragen stellen und an den relevanten Themen arbeiten, ich sage jetzt mal auch Stadtbegrünung, was auch immer,

macht es einfach, tut es einfach. Wir können das, wir können Leute zusammenbringen, wir können entwickeln, wir können Dinge besser machen und es ist unsere Aufgabe.

Und ich kann nur sagen, und ich meine, das hört man vielleicht aus meiner Begeisterung, ja, Wenn man so arbeiten kann, wenn man solche Aufgaben haben darf und das ist das Beste was man machen kann, weil man wirklich einen Impact hat und tun kann und weil es neugierig ist und weil es innovativ ist und weil es spannend ist und weil es nie langweilig wird, also macht es einfach.

So, wir können das, wir müssen das auch, ja, also ich meine, jetzt haben wir gerade wirklich eine Gesellschaft und eine Wirtschaft, die so leicht zurückorientiert ist, muss man so sagen, Ökologie ist nicht mehr an erster Stelle, wie noch vor drei Jahren, auch in der Förderung, das ist jetzt an uns, das aufrechtzuerhalten und das zu fordern und wir können das, also macht es einfach, wir haben nur einmal, passt raus, so ist es.

Patrick Hypscher: Nicola, vielen Dank. Dem kann ich nichts hinzufügen.

Nicola Stattmann: Es war mir eine Freude. Vielen Dank.

Patrick Hypscher: This was the second episode in our series about implementing circular design principles. If you want to get the action number one pager about this conversation, sign up for the Circularity.fm newsletter. You can find it at www dot Circularity.fm. And you want to learn more about Circular Design Wizard It, the German Design Council’s Circular Design Summit.

The next one is coming up in March this year in Stuttgart, Germany. I’ll be moderating a panel and maybe we see each other there. Let’s drive a profitable circular economy, and please don’t forget, the most abundant renewable resource is your imagination.

Jingle: My name is Patrick Hypscher And this is Circularity.fm, the podcast about understanding, building and managing circular business models.